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Die Tuatara

 

Ihre Erfolgsgeschichte begann vor über 220 Millionen Jahren in der Trias, als die Dinosaurier die Erde beherrschten. Doch im Gegensatz zu ihren riesigen Zeitgenossen leben die Nachfahren der ersten Tuatara oder Brückenechsen, die zur Ordnung der Sphenodontia gehören, noch heute. Damit sind sie die einzige Tierart, die als letzter Vertreter eines uralten Stammbaumes und damit einer Tierordnung überlebt hat.

 

Bild: chedder

 

 

Ein lebendes Fossil

Diese als „lebende Fossilien“ bezeichneten Reptilien, die ein auffällig urzeitliches Aussehen haben, werden durchschnittlich 30 bis 75 Zentimeter lang und wiegen zwischen 250 und 1000 Gramm. Die Männchen erkennt man leicht an den stärker ausgeprägten Stachelschuppen entlang ihres Rückens und am Hals, außerdem sind sie größer, als ihre weiblichen Artgenossen.

 

Im Gegensatz zu anderen Reptilien haben sie anatomische Besonderheiten, die sonst keine rezente Art aufweist. Dazu zählen die zwei vollständigen Schläfenbögen im Schädel und eine einzigartige Hämoglobinart in ihrem Blut. Außerdem haben die Männchen keine äußeren Geschlechtsorgane.

 

Die Urform der heutigen Brückenechsen waren die Scheinbrückenechsen (Homoeosaurus) des Trias, die äußerlich den heutigen Tuatara stark ähnelten. Sie waren weltweit verbreitet und wurden erst mit dem Aufkommen der Schuppenkriechtiere verdrängt. Fossilien dieser frühen Brückenechsen wurden bisher nur in Europa gefunden: Exemplare der Homoeosaurus maximiliani fand man in Eichstätt/Frankreich und Lleida/Spanien. Vorläufer der Sphenodontidae waren die im Wasser heimischen Pleurosauridae des Jura, die bis zu 1,5 Meter Länge erreichen konnten.

 

Bild: Alex Santosa

 

 

Ungewöhnliche Reptilien

Heutzutage weiß man, dass Tuatara vor allem dämmerungs- und nachtaktiv sind und die Tage in kleinen Höhlen oder selbst gegrabenen Bauten verbringen. Doch verlassen sie auch tagsüber ihren Unterschlupf, um Sonnenbäder zu nehmen und so Energie zu tanken. Auffällig ist ihr aggressives Territorialverhalten und wenn es sein muss, beißen sie auch zu. Ihre Bisse können beim Menschen ernste Verletzungen hervorrufen, zumal sie sich in ihren Gegner regelrecht verbeißen. Als Fleischfresser ernähren sie sich von Fröschen und Eidechsen, Insekten und kleineren Artgenossen.

 

Eine Besonderheit in ihrer Lebensweise ist außerdem ihre Bevorzugung kühlerer Temperaturen. Während die meisten Reptilien eine Umgebungstemperatur von mindestens 25°C benötigen, um aktiv zu sein, benötigen Tuatara Temperaturen zwischen 10 und 20°C und reagieren sogar äußerst empfindlich auf höhere Temperaturen.

 

Bis heute ist ihr Höchstalter unbekannt. 80 Jahre und mehr dürften aber keine Seltenheit sein. Es wird sogar angenommen, dass sie in Gefangenschaft weit über 100 Jahre oder vielleicht sogar bis zu 200 Jahre erreichen könnten.

 

Bild: Sean Neakums

 

 

Ihre kleinen Inselreiche

Heute leben die Mini-Dinos nur noch auf einigen wenigen kleinen Inseln vor der Küste Neuseelands, auf denen sie vor Ratten und anderen Räubern sicher waren/sind, die mit dem Menschen nach Neuseeland kamen. Heute stehen diese Inseln unter Schutz. Von der Tuatara sind zwei Arten bekannt: Die gewöhnliche Tuatara (Sphenodon punctatus) und die Brother Island Tuatara (Sphenodon guntheri), wobei letztere nur auf North Brother Island überlebt hat und heute in zwei Populationen auf Tītī Island und Matiu angesiedelt wurden. Obwohl beide Arten gleich aussehen, unterscheiden sie sich in ihrem genetischen Erbgut.

 

Wer Tuatara sehen möchte, kann dies in Neuseeland beispielsweise im Southland Museum, wo sich eine Zuchtstation befindet. In freier Wildbahn wurden Tuatara außerdem auf Somes Island (Matiu) vor Wellingtons Küste und 10 Minuten von der Hauptstadt entfernt im Karori Wildlife Sanctuary ausgesetzt, die für Besucher zugänglich sind. Auch auf der Insel Tiritiri Matangi vor Auckland gibt es eine Population.

 

In Deutschland besitzt derzeit ausschließlich das Aquarium des Berliner Zoos Brückenechsen.

 

Bild: Nita

Text: Jacqueline Held