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07.06.2017 - 12:35

Interessantes Projekt: Samen für die Apokalypse

Neuseeland friert seine wichtigsten Pflanzensamen in einem Bunker in der Arktis ein

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09.05.2017 - 10:03

Neuseelands Hauptstadt ist die beste

Wo lässt es sich am besten leben? Laut eines aktuellen Berichts der Deutschen Bank in Neuseelands Hauptstadt Wellington.

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Interessantes Projekt: Samen für die Apokalypse

07.06.2017 - 12:35 by Redaktion

Silberfarn in NeuseelandEigentlich ist es paradox. Sollte es zur globalen Apokalypse kommen, planen vor allem reiche Amerikaner derzeit ihre Flucht nach Neuseeland. Sicher, von politischen Krisenherden ist das Land weit entfernt, doch Naturkatastrophen sind in Neuseeland an der Tagesordnung. Neuseeland befindet sich in der geologisch aktivsten Zone der Erde – dem Pazifischen Feuerring. Vor allem Neuseelands Hauptstadt Wellington sitzt direkt auf einer Erdbebenspalte und wird von mehreren hundert kleineren Beben pro Jahr erschüttert.

 

Samen werden in der Arktis gelagert

Neuseeland selbst plant deswegen für den eigenen Ernstfall vor – sei dies ein Atomkrieg, ein großes Beben oder ein Tsunami – und hat ein Kontingent seiner wertvollsten Pflanzensamen an die globale Samenbank im norwegischen Spitzbergen geschickt. Sollte der Ernstfall eintreten, könnten diese Samen ausgelöschte Pflanzenarten wieder zum Leben erwecken.

 

Zwei Sendungen sind inzwischen auf der Insel eingetroffen, die im Arktischen Meer, etwa auf halbem Weg zwischen Norwegen und dem Nordpol liegt. Und Neuseelands Forschungsinstitut AgResearch plant noch weitere neuseeländische Samen in dem Saatgut-Tresor einzulagern. Letztendlich sollen etwa zehn Prozent der gesammelten Pflanzenarten eine Art „Backup“ erhalten. Im Mai sind bisher 800 Päckchen mit den Samen von insgesamt 40 Pflanzenarten in Norwegen eingetroffen.

 

Im Fall von Syrien trat der Ernstfall bereits ein

Der Direktor der lokalen neuseeländischen Pflanzenbank (MFGC) hält die arktische Lagerung für ein wichtiges Backup für Neuseelands Landwirtschaft: „Wir wollen sicherstellen, dass wir eine Sicherheit haben, sollte ein Ernstfall in Neuseeland eintreten wie ein Erdbeben, ein Feuer oder eine ernste Pflanzenkrankheit, die die Sammlung hier im MFGC oder eine spezifische Pflanzenspezies, die wichtig für die Landwirtschaft ist, auslöschen könnte“, sagte Kioumars Ghamkhar dem neuseeländischen Medium Stuff. „Man muss nur nach Syrien schauen, wo der Bürgerkrieg zu großflächigen Verlusten pflanzlicher, genetischer Ressourcen und in der Landwirtschaft im allgemeinen geführt hat.”

 

Syrien hatte gücklicherweise Samen in der Samenbank in Svalbard eingelagert und musste bereits das Exempel statuieren. Denn um in einem sicheren Ausweichquartier neue Pflanzen zu züchten, musste das eigentlich in Aleppo ansässige Agrarforschungsinstitut Icarda einen Teil der Samen zurückfordern.

 

Australiens Zoll warf neuseeländische Pflanzen weg

Auch Neuseeland hat erst Anfang Mai den Verlust einer Pflanzenart schmerzlich zu spüren bekommen, nachdem der australische Zoll ein seltenes Pflanzenspezimen aus Quarantänegründen zerstört hat. Die wertvollen Pflanzen sollten für Forschungsarbeiten an Australien ausgeliehen werden. Zudem schrumpft die Biodiversität. „Insgesamt sind in den vergangenen 20 bis 30 Jahren mehrere hunderttausende, vielleicht sogar Millionen unterschiedlicher Pflanzenarten verloren gegangen“, sagte Roland von Bothmer, einer der Pflanzengenetiker der norwegischen Samenbank in einem Informationsfilm. „Das ist genetisches Material, das für immer verloren ist.“

 

In Spitzbergen sind die Samen dagegen so sicher wie nur möglich. Kaum Menschen leben hier im Norden Europas. Der einzige Nachbar der Samenbank ist ein anderer apokalyptischer Speicher – ein Bunker für Daten aus aller Welt. Er wurde erst im April eröffnet. Beide dieser überdimensionalen Tresore sind weit weg von Krieg und Zerstörung. Zudem reicht der Speicher aber auch 120 Meter in die felsige Tiefe. Alleine dadurch gleicht er einem Bunker.

 

Ideale Bedingungen: Minustemperaturen und Trockenheit

Jahrein, jahraus herrschen zudem konservierende Minustemperaturen und es ist trocken. Theoretisch können bis zu viereinhalb Millionen Samenproben in dem futuristisch anmutenden Gebäude inmitten der eisigen Arktislandschaft gelagert werden. Jede Probe enthält etwa 500 Samen, das heißt maximal könnten 2,25 Milliarden Einzelsamen aufbewahrt werden.

 

Neuseeland hat sich mit der Lagerung seiner Samen bewusst für die norwegische Samenbank entschieden. Gefallen hat den Neuseeländern bei dem arktischen Samentresor nicht nur die Lage, sondern auch dass die Norweger „wie eine Schweizer Bank” operieren, wie der neuseeländische Pflanzenexperte Ghamkhar sagte. „Wir haben die exklusive Nutzung unserer Samen, während sie sich im Lager befinden, und wir sind das einzige Land, das sie aus dem Tresor auch wieder herausnehmen darf.“

 

 

Text: Barbara Barkhausen

Bild: Karora

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