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Māori-Kultur (Māoritanga)

Māori Tänzer

 

Eine Erzählkultur

Im Gegensatz zu den europäischen Einwanderern, die traditionell ihre Geschichten niederschreiben und eine umfangreiche Schriftkultur mit sich brachten, haben die Māori ihr Wissen bis zur Ankunft der Europäer ausschließlich mündlich weiter gegeben. Die Stämme legten dabei immer einen besonderen Wert auf die eigenen Stammesgeschichten und ihre jeweiligen Vorfahren, wodurch auch das Wissen über die Umwelt, Pflanzen und Tiere an die jüngeren Generationen weiter gegeben wurde.

 

Herkunft und Stammeslinien

In den Legenden der Māori heißt es, dass ihre Vorfahren einst mit Reisekanus, den waka hourua, aus ihrer alten Heimat Hawaiki nach Neuseeland kamen. Sie landeten in verschiedenen Teilen der Inseln und siedelten sich dort an. Die heutigen Stämme (iwi) können ihren jeweiligen Stammbaum (whakapapa) auf diese ersten Gruppen und ihre Kanus, die Stammes-Waka, zurückführen.

 

Die enge Stammes- und Familienzugehörigkeit ist enorm wichtig und wird immer wieder betont. Es ist üblich für einen Māori, nicht nur den Ort seiner Geburt zu nennen, sondern auch den Stamm, oder gegebenenfalls die Stämme, von denen er abstammt.

 

Ein iwi besteht aus weiteren Unterstämmen, den hapu, die wiederum aus mehreren Großfamilien, whanau, bestehen.

 

Das Marae

Im Mittelpunkt der Dorfgemeinschaften stand stets ein marae. Diese Versammlungsstätten haben noch heute eine besondere Bedeutung für die zugehörigen iwi. Im Zentrum der marae stehen die wharenui, die Versammlungshäuser, die sehr aufwendige Schnitzereien aufweisen, in denen die Stammesgeschichte und alte Legenden dargestellt werden.

 

Ein marae zu betreten ist Fremden erst nach einer offiziellen Zeremonie (powhiri) gestattet. Das ungefragte Fotografieren eines marae oder eines wharenui ist streng verboten.

 

In den marae treffen sich die Stammesmitglieder regelmäßig zu Versammlungen und Festlichkeiten, sie werden aber auch für touristische Vorführungen der Māori-Kultur verwendet.

 

Bild: Das moderne Waipapa marae der Universität von Auckland (Autor: Kahuroa)

 

Das Powhiri

Die traditionelle Begrüßung von Gästen (manuhiri) in einem marae erfolgt auf dem Platz vor dem eigentlichen Versammlungshaus. Vor der Zeremonie muss die Besuchergruppe einen Anführer wählen, der die gesamte Gruppe vertritt und auch für sie spricht (im Rahmen von touristischen Veranstaltungen ist dies oft der Reiseleiter oder ein Māori, der eigens dafür angestellt wurde). Der Anführer ist es auch, der den Willkommensruf der Frauen (karanga) beantworten muss.

 

Es folgt dann die Herausforderung (wero) der Besucher durch bis zu drei Krieger des gastgebenden Stammes (tangata whenua), wobei einer der Krieger eine Gabe auf den Boden legt, welche der Anführer der Gäste als Zeichen des Friedens aufheben muss.

 

 

Nach der Willkommensrede (karakia / whaikorero) der Gastgeber singen beide Seiten Lieder (waiata), welche die entsprechende Gruppe repräsentieren. Auch Tänze, wie beispielsweise der haka powhiri, ein zeremonieller Haka speziell für diesen Anlass, werden aufgeführt. Den Schluss der Zeremonie bildet der hongi zwischen den Gastgebern und den Besuchern.

 

Jedes marae hat eigene Regeln, welche Handlungen zu einem powhiri gehören und in welcher Reihenfolge diese stattfinden. Genauere Informationen erhält man vor der eigentlichen Veranstaltung.

 

Bild: Willkommenszeremonie in Rotorua (Autor: CiellCC BY-SA 2.5 NL)

 

Die Kochkunst

Die Māori ernährten sich früher von der Jagd und Fischerei, sowie der Landwirtschaft. Zubereitet wurden und werden die Lebensmittel dann in Erdöfen. Solch ein Ofen, bei den Māori als hangi bekannt, wird in einer mit einer Matte zugedeckten Grube aufgebaut und besteht aus mehreren Schichten. Als Hitzeerzeuger dienen Steine, die im Feuer liegen. Auf ihnen liegen mehrere Lagen Flachs, zwischen denen Fleisch und Gemüse geschichtet werden. Das eigentliche Dünsten der Gerichte erfolgt dann durch das Aufgießen von Wasser auf die heißen Steine.

 

Diese sehr langsame Garmethode wird auch heute noch von den Māori verwendet, nicht nur bei einer der zahlreichen touristischen Veranstaltungen, ist aber in der modernen Zeit nicht mehr die gängige Art des Kochens.

 

Bild: Ein hangi in Whakarewarewa, Rotorua (Autor: Andy king50 CC BY-SA 3.0)

 

Ein Volk der Kämpfer

 

Bereits vor der europäischen Kolonialisierung gab es Kämpfe um Ländereien, denn die verschiedenen iwi beschützten ihre Gebiete vor Eindringlingen anderer Stämme. Zu diesem Zweck errichteten sie befestigte Dörfer, genannt, an strategisch günstigen Stellen und mit Begrenzungen und Gräben umgeben, um sich darin bestmöglich verteidigen zu können.

 

Bild: Das Rangikapiti bei Mangonui, Northland (Autor: Berlin-George CC BY-SA 3.0)

 

Gekämpft haben seit jeher nur die Männer, wofür sie oftmals sehr aufwendig verzierte Waffen benutzten: beispielsweise die speerartigen taiaha und die keulenähnlichen patu. Letztere wurden nicht selten aus Jade hergestellt.

 

Die meiste Zeit lebten die Māori jedoch in einfachen Siedlungen und unterhielten freundschaftliche Beziehungen untereinander. Die wurden nur in Kriegszeiten aufgesucht.

 

 

 

Bild: Wirimu Maihi Te Rangikāheke, Anführer des iwi Ngati Rangiwewehi in Rotorua, ca. 1865

Text: Jacqueline Held