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04.11.2017 - 06:02

Neuseeland serviert eine Lösung für die Quallenplage

Forscher warnen seit Jahren, dass Quallen die Gewinner des Klimawandels sind. Ein Biologe fordert inzwischen, dass wir Quallen essen sollten, um der Invasion Herr zu werden. In Neuseeland serviert ein Koch nun innovative Quallengerichte, um die Debatte weiter anzustoßen.

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23.10.2017 - 11:16

Tag der Arbeit (Labour Day) in Neuseeland

Immer am vierten Montag im Oktober wird in Neuseeland der Labour Day, also ein Gedenktag der Arbeiterbewerbung, zelebriert. Doch warum eigentlich? Wir erklären es dir kurz und knapp.

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Eine kurze Geschichte Neuseelands

 

Beginn der Besiedlung: 13. Jahrhundert

Die ersten Bewohner des Landes waren Polynesier, die ihre alte Heimat Hawaiki verließen und mit großen Reisekanus (waka hourua) über den Pazifik reisten. Sie navigierten anhand der Sterne und Meeresströmungen und erreichten eines Tages die Inseln, die sie schon von weitem aufgrund einer langen weißen Wolke erkennen konnten. Sie gaben ihrer neuen Heimat daraufhin den Namen Aotearoa: „das Land der langen weißen Wolke“. Die Legenden besagen, dass der Anführer dieser ersten Siedler Kupe war, der damals in Northland an Land ging.

 

Aotearoa: Das Land der Māori

In dieser frühen Geschichte lebten die polynesischen Siedler in kleinen Gruppen von der Jagd und Fischerei. Auf der Nordinsel begannen sie aber schon bald zusätzlich Süßkartoffeln (kūmara) und Yams anzupflanzen, die sie aus Polynesien mitgebracht hatten. Das kühlere Wetter der Südinsel ließ das jedoch nicht zu, weshalb man dort auch weiterhin vom Jagen und Sammeln lebte.

 

Entdeckung durch die Europäer: 1642 und 1769

Abel Tasman, ein Entdecker aus Dänemark, war der erste Europäer, der entlang der Küsten der Inseln segelte und das neue Land Nieuw Zeeland nannte. Er und seine Mannschaft verließen ihre Schiffe jedoch nicht, sondern fuhren weiter.

Erst 127 Jahre später kamen erneut europäische Reisende: James Cook erforschte die Inseln, umrundete sowohl die Nord- als auch die Südinsel und machte Aufzeichnungen über ihre Ressourcen und Bewohner.

 

Die europäische Siedlungsgeschichte

Die Geschichte Neuseelands unter europäischer Herrschaft begann kurz nach Cook’s Reise und zwar als australischer Außenposten: viele der ersten Siedler stammten aus Sydney. Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts war es zunächst das Ziel von Wal- und Robbenfängern und schon bald gründete man die erste größere Siedlung: Kororāreka in der Bay of Islands.

Die ersten Kontakte mit den einheimischen Stämmen bestanden zumeist aus Handelsbeziehungen. In dieser Zeit begannen die Māori auch, sich als solche zu bezeichnen, denn zuvor kannten sie keine Bezeichnung für ihr Volk. Māori bedeutet nichts weiter, als „normal“, wohingegen die Neuankömmlinge Pākehā genannt wurden, die „Weißen“ oder „Nicht-Māori“.

 

Europäische Einflüsse

Das Christentum kam 1814 nach Neuseeland und mit den Missionaren kam das Wissen um Ackerbautechniken und Handel, Schrift und Literatur. Aber noch schneller lernten sie den Umgang mit Schusswaffen, die sie im Austausch für Flachs und Kartoffeln erhielten und mit denen sie ihre eigenen Stammesfehden austrugen. Während dieser Kriege starben tausende der Māori. Mehr Opfer forderten nur noch die von den Europäern eingeschleppten Krankheiten.

 

Streitigkeiten mit Frankreich: 1835

Auch Frankreich meldete Interesse an dem neu entdeckten Land an und begann mit dem Handel und ersten Landkäufen. Dies wollte Großbritannien unterbinden, indem Neuseeland, mithilfe von 34 Māori-Häuptlingen der Nordinsel, kurzerhand zu einem unabhängigen Staat erklärt wurde. Vertraglich wurde dabei auch festgelegt, dass nur das Einverständnis der Māori einen Anspruch auf das Land ermöglichte. Doch da dies nur wenig nutze, musste ein neues Gesetz geschaffen werden: der Vertrag von Waitangi.

 

Die Gründung eines Staates: 1840

Am 5. Februar 1840 trafen sich in Waitangi Vertreter der britischen Krone mit über 500 Häuptlingen der Māori. An diesem Tag präsentierten sie ihnen erstmals den Vertrag von Waitangi, ausgeführt in Englisch und Māori. Nach langen Diskussionen unterschrieben am nächsten Tag, dem 6. Februar 1840, 43 Häuptlinge. Anschließend brachte man den Vertrag in die verschiedenen Regionen und es unterschrieben noch viele weitere. Aber nicht alle: einige weigerten sich, da sie ihre Rechte nicht aufgeben wollten, andere wurden nicht aufgesucht.

 

Grundsätzlich besagt der Vertrag, dass die Māori ihre Souveränitätsrechte an die britische Krone abgeben, dafür durften sie ihr Land weiter behalten. Jedoch hatte allein die Krone das Recht das Land von den Māori zu kaufen, was Ende des 19. Jahrhunderts dazu führte, dass nahezu alles den Briten gehörte.

 

Bis heute gibt es immer wieder Streitigkeiten in Bezug auf die Auslegung und Einhaltung dieses Vertrags, der Teil der neuseeländischen Verfassung ist und als Gründungsdokument betrachtet wird. Ab 1840 galt Neuseeland offiziell als britische Kolonie.

 

Eine eigene Regierung: 1852

Im New Zealand Constitution Act wurde die neuseeländische Regierung gegründet: Es ermöglichte die Wahl eines repräsentativen Parlaments, das jedoch noch nicht eigenständig Gesetze erlassen konnte, dessen Mitglieder aber gewählt wurden. Das Parlament unterstand zu der Zeit dem Gouverneur, dem britischen Repräsentanten der Krone.

 

Die „Landwars“: 1860er

Die zunehmenden Streitigkeiten über die Auslegung des Vertrags von Waitangi und die zum Teil unrechtmäßige Inbesitznahme von Land durch die Briten, führte zur Gründung von Te Kīngitanga, der erste König der Māori wurde ausgerufen. Nachfolgend eskalierten die Streitigkeiten und britische Truppen kämpften in Taranaki und Waikato gegen die Māori und nahmen die eroberten Gebiete gewaltsam in Besitz.

 

Europäische Expansion: 1860er und 70er

In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts kamen viele Einwanderer nach Neuseeland, um dem Ruf des Goldes zu folgen. Es war in dieser Zeit auch die Schafhaltung und der Wollverkauf, die dem jungen Land einen wirtschaftlichen Aufschwung bescherten. Doch als die Goldvorräte schwanden und die Wollpreise sanken, lockte Neuseeland in den 70er Jahren mit Arbeitseinsätzen zum Bau von Straßen und Eisenbahnstrecken. Dabei verdrängten sie immer mehr die Māori, deren Rechte fast in Vergessenheit gerieten.

 

The Dominion of New Zealand: 1907

Auf der Imperial Conference in London wurde über die Bezeichnung und den Status von eigenständigen britischen Kolonien abgestimmt. Man entschied sich für „Dominion“, woraufhin Neuseeland zu einem solchen ernannt wurde. Damit wollte man die politische Eigenständigkeit des Landes verdeutlichen. Der erste Dominion Day wurde am 25. September gefeiert.

 

Die Weltkriege

Als britische Kolonie und Großbritannien gegenüber loyal, standen neuseeländische Truppen während beider Weltkriege an der Seite der Briten (weiter Infos: ANZAC-Day) und gründeten gemeinsam mit den Australiern die ANZAC (Australian and New Zealand Army Corps). Am Ende des II. Weltkriegs trat Neuseeland den United Nations bei und unterzeichneten als „New Zealand“, nicht mehr als „Dominion New Zealand“.

 

Die Unabhängigkeit: 1947

Mit der Übernahme des Statute of Westminster, das 1931 von der britischen Regierung erlassen wurde, war Neuseeland endgültig unabhängig, Mitglied des Commonwealth of Nations und die Einwohner wurden neuseeländische Staatsbürger. Im British Royal Titles Act 1953 wurde zudem festgelegt, dass der britische Herrscher in den jeweiligen Dominions einen eigenen Titel hatte. Seither gibt es die Königin von Neuseeland.

 

Eine eigene Nationalhymne: 1977

Neuseeland hat zwei offizielle Nationalhymnen: die britische God save the Queen und die in den 1870er Jahren von Thomas Bracken und J. J. Woods komponierte Hymne God defend New Zealand. Letztere wurde erst 1977 als zweite Nationalhymne anerkannt.

 

Neuseeland und seine Verbündeten

Ab den 70er Jahren kam es zu immer mehr Spannungen zwischen den westlichen Ländern und Neuseeland. Grund: die Ernennung zur nuklearfreien Zone und die Sperrung neuseeländischer Gewässer für atombetriebene Schiffe. Zudem führte der Beitritt Großbritanniens zur EU zu einer Abnahme der Handelsbeziehungen miteinander, weshalb sich Neuseeland immer mehr den asiatischen Ländern und dem Nachbarn Australien öffnete.

 

Vollständige Unabhängigkeit: 1986

Im Constitution Act 1986 erhielt das neuseeländische Parlament die gesetzliche Unabhängigkeit und konnte von da an eigenständig Gesetze auf den Weg bringen, ohne das britische Parlament zu befragen. Es wurde außerdem die neuseeländische Verfassung festgelegt.

 

Neuseeland heute

Das Land der langen weißen Wolke ist noch immer Ziel vieler Auswanderer, die das Abenteuer und ein neues Leben suchen. Gründe dafür sind die Landschaft, Flora und Fauna und ganz sicher auch der Wunsch nach einem stressfreien Leben abseits des Trubels.

 

Man darf jedoch nicht übersehen, dass es Benachteiligungen für die Māori noch immer gibt. Die Zahl der Arbeitslosen ist beispielsweise wesentlich höher, als bei den Pākehā und viele leben noch immer in abgelegenen Dörfern mit zum Teil schlecht ausgebauter Infrastruktur. Das Waitangi TribunalDas Neuseeland-Lesebuch von Dörte und Volker Heyse setzt sich seit seiner Gründung dafür ein, dass Ausgleichszahlungen für die unrechtmäßige Inbesitznahme von Ländereien und die Kämpfe mit den Einwohnern an die Māori erfolgen und dass die Gebiete an die jeweiligen Stämme zurückgegeben werden.

 

Buchtipp:

Das Neuseeland-Lesebuch von Dörte und Volker Heyse (MANA-Verlag)

 

 

Text: Jacqueline Held